Gender Gap in den Medien

Manchmal meint man ja glauben zu können, Frauen und Männer seien gleichberechtigt. Oder die Medienlandschaft böte kritische Nischen. Oder Bewusstsein habe sich verändert.

Diese schwachen Momente fegt die Infografik hinweg, die das amerikanische Medialab 4th Estate veröffentlicht. Untersucht wurde, wie häufig in verschiedenen Medien innerhalb der Medienberichterstattung zum Wahlkampf Frauen und Männer zu welchen Themen zitiert wurden.
Männer beziehen sich auf Männer. Selbst wenn sie vermeintlich Frauenthemen bearbeiten, reproduzieren sie die politische, mediale und gesellschaftliche Unsichtbarkeit und Unhörbarkeit der Frauen.
Ein renommierter Gynäkologe wird zum Thema Geburtenkontrolle mehr Gehör und Glaubwürdigkeit einfahren als eine unbekannte Sozialarbeiterin – auch bei den meisten Leserinnen und Zuschauerinnen.
Abtreibung und Reproduktionsmedizin sind so komplizierte Themen, dass ein versierter Chefarzt, der sich verständlich, seriös und erfahren artikuliert, eindeutig mehr Gehör finden wird als eine freie Journalistin – was für eine Frisur die schon hat.

www.4thEstate.net

In der Gesamtschau sieht die Verteilung so aus:

Frauen im Film. Der Bechdel-Test

In Cannes läuft der Wettbewerb und allen, die nicht dabei sein dürfen, sei ein Vergnügen empfohlen, das in jedem Kino funktioniert.
Erhöht ebenfalls den Unterhaltungswert stinklangweiliger Fernsehabende oder den Spaß bei Paar-DVD-Abenden, die sonst stumm abliefen.

Der Bechdel-Test misst die aktive Präsenz von weiblichen Charakteren in Hollywood-Filmen. Die Idee stammt ursprünglich aus einem Comic Dykes to Watch Out For (1985) von Allison Bechdel, in dem eine Figur, nämlich Mo, erklärt, dass sie nur solche Filme schaue, die alle drei folgenden Kriterien erfüllen:

1. Kommen in dem Film zwei oder mehr Frauen vor, die Namen haben?
2.
Sprechen diese Frauen miteinander?
3.
Sprechen sie über etwas anderes als einen Mann?

Wissenschaftlich oder filmästhetisch gänzlich irrelevant. Ein Test aber, der nicht belanglos ist. Erstaunlich, wieviele Filme diese unglaublich schlichten Fragen nach weiblicher Präsenz nicht oder nur teilweise erfüllen. Genrefilme, die ohnehin in reinen und strahlenden Männerwelten spielen (Kriegsfilme, Gangsterfilme, Western, Mafia-Filme, Abenteuerfilme, Spionagefilme oder Katastrophenfilme zum Beispiel) nehmen wir gar nicht ins Visier.
Auf der langen Liste der normalen Filme, die den Test nicht bestehen,  finden sich viele schöne und bekannte Filme, darunter:

Der Drachenläufer
Midnight in Paris
Ratatouille
Casino Royale
Das Leben der Anderen
Memento
König, Dame, Ass, Spion
The Tree of Life
Sonnenallee
The American
The Big Lebowski
L.A. Confidential
Die Abenteuer von Tim und Struppi
Tage des Verrats

Festival von Cannes: Ein Mann ist ein Mann!

Frauen zeigen in Cannes ihr Gesicht, Männer ihre Filme.

In der Le Monde vom 11. Mai 2012 erschien ein Aufruf, den die Filmemacherin Coline Serreau, die Schriftstellerin Virginie Despentes und die Schauspielerin Fanny Cottençon verfasst haben.
Initiiert von der Gruppe La Barbe – feministische Aktionsgruppe.
Gegen Sexismus in Cannes, gegen fortwährende positive Diskriminierung.

Der Aufruf in deutscher Übersetzung:

Was hat sich am Kino verändert? Alles!“, rief Gilles Jacob, Präsident des Festivals von Cannes, bei der Vorstellung der ausgewählten Filme für die 65. Festspiele. Alles?!
Für einen Augenblick spürten wir ein Erzittern. Zu Unrecht, denn die zweiundzwanzig Filme im Wettbewerb sind – durch einen glücklichen Zufall – von zweiundzwanzig Männern gedreht worden. Auch dieses Jahr wird also, wie 63 Mal zuvor, einer von ihnen mit der Goldenen Palme ausgezeichnet werden. Auch dieses Jahr werden wieder ausnahmslos die männlichen Werte, die die Größe der Siebten Kunst ausmachen, verteidigt.

Nur ein einziges Mal, 1993, erhielt eine Regisseurin die Auszeichnung: Jane Champion. 2011 hatten sich vier Frauen unter die zwanzig Nominierten des Wettbewerbs geschlichen. Zweifellos hatte da jemand nicht aufgepasst. Thierry Frémeaux, der Festivalleiter, beeilte sich damals auch zu bemerken: „Das ist das erste Mal, dass so viele Frauen dabei sind.“ Schuld beladene Schwäche! Umso unentschuldbarer, als bei der Verleihung der Césars im gleichen Jahr weder in der Kategorie „Bester Film“ noch in der Kategorie „ Beste Regie“ auch nur eine einzige Frau nominiert worden war. Festival von Cannes: Ein Mann ist ein Mann! weiterlesen

Pro Quote – jetzt.

In einem offenen Brief an Verleger, Chefredakteure und Intendanten fordern mehr als 350 Journalistinnen aus allen Medienbereichen die Einführung einer Frauenquote von 30 Prozent auf allen Führungsetagen.

Tatsächlich sind nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen Frauen, von den 12 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind lediglich drei weiblich. Und auch in den Redaktionen der Nachrichtenmagazine stehen fast ausschließlich Männer an der Spitze.
Es ist Zeit, etwas zu ändern.
Wir fordern, dass mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Diese Forderung unterstützt CLEAN RECORD sehr gern. Mit Ihrer Unterschrift auf Pro Quote können Sie dem Aufruf noch mehr Gewicht verleihen!

ER SUCHT SIE

KennenlernenEs gibt sie, die großen Momente in einer Familie. Wir hatten heute beim Abendessen einen und verdanken ihn dem Mann aus Köln, der im ZEIT Magazin in der Rubrik KENNENLERNEN eine Anzeige veröffentlicht hat.
Die Fotostrecke von Josefsohn vorne im Magazin war, Hummus-Brote und Oliven futternd, bereits ein unterhaltsames Vergnügen: Mir vollkommen unbegreiflich, dass die MTV-Kampagne schon zwanzig Jahre alt sein soll, für Kind 1 & 2 sehr überraschend, dass es damals schon Farbfotografie gab. Danach eine geniale Modestrecke, die den Beifall aller fand. Und während wir noch über Looks plaudern und die extrem geniale blaue Hose auf dem letzten Bild, blättert Kind 2 weiter, bis ihr Blick an der Zeichnung eines einsamen Mannes auf einem Tandem hängen bleibt: die Kontaktanzeigen.
Parshippen in der Zeit, Mama.
ER SUCHT SIE weiterlesen